„Jede Note muss dem Song und dem Groove dienen“

„Jede Note muss dem Song und dem Groove dienen“

Das Jahr ist noch jung – doch mit seiner neuen Scheibe „Parcours“ setzt der Luzerner Richard Koechli bereits einen Höhepunkt der Schweizer Blues- und Rootsszene. Das Album ist ab heute im Handel erhältlich. Bereits hagelt es von allen Seiten die verdienten Lobeshymnen. Am Donnerstag, 29. März wird die CD in unserem Partnerhotel Schweizerhof getauft. Ein Konzertabend, dessen Besuch eigentlich ein Muss ist.

Von Philipp Unterschütz

Den Song „Lucerne is a bluestown“ schrieb Richard Koechli eigens für das 20. Jubiläum unseres Lucerne Blues Festivals – ein Kompliment das uns heute noch stolz macht. Umso mehr als Richard nicht nur mehrmals unser Festival mit seinen Auftritten bereichert hat – auch menschlich: seit Jahren ist er uns ein liebgewordener Freund. Stolz macht uns aber auch, dass das Lucerne Blues Festival sogar für einen gestandenen Musiker wie ihn, der 2013 mit dem Swiss Blues Award ausgezeichnet worden ist, durchaus inspirierend ist: „Da spielen sie hautnah, all die noch lebenden grossartigen Künstler/innen, und man kann sich von ihnen beseelen lassen. So haben sie in früheren Epochen alle voneinander gelernt.“ (Lesen Sie das ganze Interview mit Richard Koechli nachstehend.)

Tatsächlich hat Richard Koechli mit „Parcours“ ein vielschichtiges Meisterwerk der Roots-Musik geschaffen. „Der Blues ist in verschiedenen Facetten zwar immer anwesend, doch da sind auch Spuren von Jazz, Folk, Country und Rock. Ich bin ein Rootsmusiker, ein Eklektiker“, sagt Richard selber dazu, und: „Ich habe diesmal wirklich versucht, Zeitdruck fernzuhalten; wir haben an jedem Detail gefeilt. Bereits die Phase der Ideensammlung und des Songwritings hat bei mir rund ein Jahr gedauert, und die Produktionsphase grad nochmals fast so lange.“ Wenn man das Ergebnis nun hört, könnte man aber glatt meinen, er habe diese zwei Jahre im Liegestuhl verbracht – dermassen entspannt klingt „Parcours“. Tatschächlich ist Richard Koechli zusammen mit Hank Shizzoe der unbestrittene Meister des „laid-back“-Stils wie ihn vor allem der grosse, unvergessene J.J.Cale pflegte. Doch: „Hinter dieser Entspanntheit steckt eine enorme Konzentration und der Wille zur Reduktion“, erklärt Richard. „Man muss sehr selbstkritisch sein; ich frage mich beim Spielen dauernd, ob es eine Note wirklich braucht, ob sie dem Song und Groove dient.“

Man darf sich schon jetzt freuen, auf den 29. März, wenn Richard Koechli mit seiner Live-Band „The Blue Roots Company“ die neuen Songs im Hotel Schweizerhof auf die Bühne bringt und sein neues Werk tauft. Aus Erfahrung wissen wir bereits, wie beseelt Richard und Band auftreten, besonders in Luzern – das sei als Heimspiel sowieso etwas Besonderes. „Und Release-Konzerte haben natürlich noch was zusätzlich Feierliches“, meint Richard. „Da sind ja noch zwei wunderbare Bands vor uns (aBlueser und Cattlefood), die werden bereits kräftig Dampf machen. Ich möchte den Pegel allerdings nicht noch steigern müssen – wir werden uns erlauben, auch leise und feine Nummern zu spielen. Diese Dynamik ist unser Markenzeichen.“

Ein toller Konzertabend ist garantiert. „Lucerne is a Bluestown“ – und Richard als Komponist des Songs ist der beste Beweis dafür. Wir hoffen, möglichst viele Gesichter, die wir vom Lucerne Blues Festival her kennen, am 29. März im Schweizerhof zu treffen.

Weitere Infos & Tickets bei www.richardkoechli.ch & www.ticketcorner.ch

Mehr Infos zu den Bands:

  • aBlueser – Blues/Rock:
    Die Band begeistert das Publikum mit Blues und Bluesrock aus den 70igern und 80igern!  Musiker: Marek Kroskiewicz (guit/lead voc), Claudia da Rold (lead voc), Andi Kiss (dr), Hape Schuwey (bass) – www.ablueser.eu
  • Cattlefood – Blues:
    Die coole Combo aus Luzern zelebriert mit viel Herzblut einen feinen Blues-Rock.  Musiker: Martin Loeffel (keys/voc), Reto Schoch (guit), Kurt Roos (dr), Claudio Duso (bass) – www.cattlefood.ch

Hier das vollständige Interview, das wir mit Richard Koechli geführt haben:

Der kanadische Schriftsteller, Musikkritiker und J.J. Cale-Kenner Luc Baranger schrieb 2008 zu einer CD von Dir: „Das ist genau das Wesen der 'laid-back'-Musik: eine Art 'Pseudo-Entspanntheit', eine Maske der 'Faulheit', welche höchste Konzentration und Jahrzehnte harter Arbeit kaschiert.“ Was sagst DU als "Meister" dieses „laid back“-Stils dazu?

Richard Koechli: Die Worte erklären das Wesen der laid-back-Kunst sehr treffend. Es ist paradox: Um die Kunst der Faulheit zu erlernen, darf man alles sein, nur nicht faul. Hinter dieser Entspanntheit steckt eine enorme Konzentration und der Wille zur Reduktion. Gelegentlich kann man die magische 'Schlaffheit' auch durch Rotwein oder Drogen erleben, oder aber durch grosse Übermüdung. Aber am nachhaltigsten ist die Kunst, wenn man sie mit höchster Ernsthaftigkeit betreibt. Man muss sehr selbstkritisch sein; ich frage mich beim Spielen dauernd, ob es eine Note wirklich braucht, ob sie dem Song und Groove dient. Dieser Prozess ist nie abgeschlossen; ich spiele noch immer zu viel Töne, komme dem Ideal aber schrittweise näher. Auch das Arrangement und die Mixverhältnisse spielen eine grosse Rolle. Jedes Detail zählt, schon ein zu lauter oder zu leiser Shaker kann das gesamte Laid-back feeling gefährden. Noch bevor J.J. Cale zum bekannten Musiker wurde, war er ein erfahrener Tontechniker. Auch ich hab schon als Kind mit Tonbandgeräten rumgespielt und als junger Musiker dann mit Vierspurgeräten getüftelt. Die Arbeit im Studio ist Teil der kreativen Entwicklung.

Dein neues Album „Parcours“ erscheint am 16. März. Wie bist Du selber zufrieden?

Ich habe diesmal wirklich versucht, Zeitdruck fernzuhalten; wir haben an jedem Detail gefeilt, bis zum Schluss, auch beim Mastering mit Marco Jencarelli zusammen. Bereits die Phase der Ideensammlung und des Songwritings hat bei mir rund ein Jahr gedauert, und die Produktionsphase grad nochmals fast so lange. Ich brauche diese Zeit, vieles entsteht erst beim Arbeiten. Ich bin sehr glücklich mit dem Resultat. Meine wunderbare Live-Band „Blue Roots Company“ (Fausto Medici, David Zopfi, Michael Dolmetsch, Dani Lauk und Heini Heitz) hat fantastische Arbeit geleistet und die Songs entscheidend mitgeprägt, auch die zahlreichen Special Guests (Evelyne und JB Rosier, Walter Baumgartner, Stefan Künzli, Tom Aebi, Paddy Bütler). Mir gefällt der grosse Kontrastreichtum der Platte – der Blues ist in verschiedenen Facetten zwar immer anwesend, doch da sind auch Spuren von Jazz, Folk, Country und Rock. Ich bin ein Rootsmusiker, ein Eklektiker.

Es klingt, als habe da einer, der aus dem Mississippi Gebiet/New Orleans kommen könnte, ein neues Werk gemacht. Wie kommt es, dass Du diese Ingredienzien mit einer solchen Stilsicherheit und Selbstverständlichkeit hinkriegst? Da klingt nichts erzwungen oder gekünstelt, da ist dieser - ich würde sagen, schon fast magische - Flow da.

Das freut mich sehr, wenn es so rüberkommt. Für den allfälligen „magischen Flow“ bin ich nicht verantwortlich, der kommt glaube ich nicht von dieser Welt. Für den überwiegenden Teil, den man durch Arbeit erreichen kann, gilt: Die Stilsicherheit wächst andauernd; vor allem durch die Erfahrung auf der Bühne, und generell durchs Älterwerden. Entscheidend lernt man natürlich durchs Eintauchen in die Musik der Pioniere und aktuellen Cracks; entweder auf Schallplatten oder noch besser als Konzertbesucher. Das ist eben auch der grosse Verdienst eines so wunderbaren Festivals wie dem Lucerne Blues Festival – da spielen sie hautnah, all die noch lebenden grossartigen Künstler/innen, und man kann sich von ihnen beseelen lassen. So haben sie in früheren Epochen alle voneinander gelernt. Drüben war ich seltsamerweise noch nie, jedenfalls nicht körperlich. Der Spirit dieser Musik kann aber grenzenlos reisen; ich glaube nicht, dass mir etwas Entscheidendes fehlt. Ich kenne die Geschichte des Blues ziemlich gut, ich habe nur einfach aus verschiedenen Gründen noch nie einen Fuss auf US-Boden gesetzt. Das spare ich mir auf fürs Alter ...

Wie bist Du als "Luzerner" überhaupt zum Blues und zur amerikanischen Roots Musik gekommen? Was ist für Dich der Blues, was ist das Packende daran?

Meine ersten Lehrer waren keine typischen Blueser, obwohl auch sie die blue notes drauf haben. Es waren Mark Knopfler, Eric Clapton, J.J. Cale, Ry Cooder und Bob Dylan. Zum ersten Mal bewusst Blues hörte ich von Stevie Ray Vaughan in den 1980er-Jahren, also noch immer ein Weisser. Dann erst ging ich den Weg zurück in der Geschichte, und befasste mich mit der Musik und dem Spirit der wichtigsten Pioniere. Am meisten prägten mich persönlich Blind Willie Johnson, Tampa Red, Son House, Muddy Waters, John Lee Hooker, Elmore James und Fred McDowell. Am Blues schätze ich die grosse Hingabe, das Fragile, die Emotion – und gleichzeitig die Tatsache, dass nichts Elitäres oder Intellektuelles dabei ist. Es ist keine akademische Musik. Jeder erzählt seine persönliche Geschichte.

Was ist an der Spring Blues Night im Hotel Schweizerhof am 29. März zu erwarten? Wie gehst Du da ran?

Wir spielen immer mit voller Hingabe. Luzern ist darüber hinaus aber etwas Besonderes, es ist ein Heimspiel. Und Release-Konzerte haben natürlich noch was zusätzlich Feierliches. Aber man weiss nie im Voraus, wie ein Abend sein wird; das bringt die Verletzlichkeit des Blues mit sich – es ist eben keine „Show“, nichts Kalkuliertes; man ist dem einzigartigen Moment schutzlos ausgesetzt. Manchmal ist es harte Arbeit, manchmal spielt die Magie und es gelingt alles wie von selbst. Wir lassen uns überraschen und freuen uns sehr auf den Abend im Schweizerhof.  Da sind ja noch zwei wunderbare Bands vor uns (aBlueser und Cattlefood), die werden bereits kräftig Dampf machen. Ich möchte den Pegel allerdings nicht noch steigern müssen – wir werden uns erlauben, auch leise und feine Nummern zu spielen. Diese Dynamik ist unser Markenzeichen.

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