„Er ist einer der anregendsten Musiker, mit denen ich je gespielt habe“. Das sagte kein Geringerer als Eric Clapton über Jerry Portnoy (*1943, Evanston, IL). Der Bluesharp-Spieler, der für seine satten, fetten Töne bekannt ist, die einem Altsaxofon ähneln, gibt sich nach 2022 erneut die Ehre am Lucerne Blues Festival.
Aufgewachsen in der bluesgeschwängerten Atmosphäre von Chicagos berühmtem Maxwell Street Market während des goldenen Zeitalters des Chicago Blues, begann er seine professionelle Karriere in den späten 60er Jahren und ist seither vor Millionen von Menschen in aller Welt aufgetreten. "Der Blues faszinierte mich", erinnert sich Jerry. "Er war der Soundtrack meiner Kindheit. Ich habe ihm keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es war einfach mein normales Umfeld. Ich wusste nicht einmal, was Blues ist! Aber ich habe das Gefühl, dass sich diese Klänge in meinem Kopf festgesetzt haben. Und als ich Jahre später mit Blues in Berührung kam, löste das etwas aus, und ich war einfach verrückt danach.»
Jerry Portnoy war Mitglied der legendären Muddy Waters Blues Band, Leiter der Legendary Blues Band, gründete mit Ronnie Earl die Broadcasters und war mehrere Jahre Mitglied der Eric Clapton Band. Im Lauf der Jahre hat er mit Künstlern wie Dan Aykroyd, John Belushi, Gregg Allman, Larry Coryell, den Rolling Stones, Bonnie Raitt, Bob Dylan, Dizzy Gillespie, Freddie King, Albert King und B.B. King zusammengearbeitet. Er hat auch die Originalmusik für die Sesamstraße geschrieben und das wichtigste Lehrmittel für die Blues-Harp stammt aus seiner Feder.
Zweifelsohne, Portnoy ist ein grossartiger, traditioneller Harpspieler. Doch interessanterweise ist er selber am meisten stolz auf sein Songwriting. "Wenn du ein gutes Solo spielst, löst es sich in Luft auf. Aber wenn man einen guten Song schreibt, bleibt er für immer bestehen.» Kein Zweifel, der Mann hat einiges zu erzählen. Und das hat er auch getan, kürzlich hat er seine Memoiren «Dancing with Muddy» in Buchform veröffentlicht.
In Portnoys Band ist dieses Jahr noch eine weitere Grösse dabei, die schon 2006 (mit Craig Horton) und 2009 (mit Mark Hummel) am Lucerne Blues Festival zu Gast war: Rusty Zinn (*1979, Long Beach CA). Eine feine Soulstimme und ein flüssiges Gitarrenspiel sind seine Merkmale. Mit 17 Jahren begann Rusty Zinn mit dem Gitarrenspiel, wobei ihn der Stil von Jimmy Rogers, Eddie Taylor, Robert Lockwood junior und Luther Tucker beeinflussten. Er machte sich bald einen Namen als Mitglied von verschiedenen Bluesbands und spielte dank seines wachsenden Rufs auch für Bluesgrößen wie Snooky Pryor, Jimmy Rogers, Mark Hummel oder Kim Wilson. Eine weitere Liebe von Rusty Zinn ist auch der Reggae, einen Teil seines Lebens verbringt er in Brasilien, wo er auch schon veritable Reggae-Hits gelandet hat.